Offenbach Post: 06.09.08

 

Wie sieht die Zukunft im Kreis Offenbach aus? Kommunen arbeiten zusammen

 

Sozialdezernent: Bürger müssen mehr mitgestalten

  

  Lücken bei Begegnungszentren der Generationen und Angeboten für die Jugend      

Von unserem Redaktionsmitglied Peter Schalte-Holtey

 

Weniger Einsamkeit, weniger Langeweile, mehr Miteinander? In Mehrgenerationenhäusern - wie in Langen - scheint das nicht nur für viele Senioren möglich zu sein. Alt und Jung kommen zusammen, tauschen sich aus. „Das ist ein guter Weg, der sollte aber auch in anderen Städten Schule machen", fordert Garsten Müller, Sozialdezernent im Kreis Offenbach. „Solche Häuser könnte es doch auch in Mainhausen oder Heusenstamm geben. Es sollte zum Standard in jeder Kommune gehören, dass es Orte gibt, an denen Generationen zusammenkommen."

 

Bei einer Veranstaltungsreihe mit dem sperrigen Titel „Kommunen gestalten ihre Zukunft, dem demographischen Wandel sichtbar Gestalt geben" kamen jetzt weitere Mängel im Kreis Offenbach ans Licht.    

 

Mitarbeiter von zahlreichen Einrichtungen, von Sozial-, Bau- und Jugendämtern, Seniorenbeiräte und Bürgermeister aus den Kommunen der Region beschäftigten sich bei mehreren Arbeitssitzungen mit den wohl wichtigsten Fragen zur Zukunft im Kreis Offenbach: Wie kann man das Leben für die schnell wachsende Gruppe der Alten und „jungen Alten" in den Städten und Gemeinden besser gestalten? Und wie soll generationenübergreifendes Denken gefördert werden?

 

„Bei punktuellen Initiativen, zum Beispiel Lese-Omas und Sprachförderung, kommen Senioren und Jüngere zusammen; dabei darf man aber nicht stehen bleiben. Wichtig ist der Ausbau der Begegnungsstätten, die Generationen sollten sich nicht länger separieren. Es darf nicht mehr heißen: hier das Altenzentrum, am anderen Ende der Stadt das Jugendhaus", fasst Müller Erfahrungen aus den Debatten der Kommunen-Vertreter zusammen - und fügt hinzu: „Wir müssen den demographischen Wandel selbst gestalten. Dabei sollten nicht nur Themen rund ums Gesundheitswesen behandelt werden. Es geht auch um die Anpassung des gesamten Stadtbildes an die Wünsche der Generationen. Gerade bei der Planung von Neubaugebieten sollte bedacht werden, welche Bedürfnisse die Bewohner jetzt und in 30 bis 40 Jahren haben." Dabei müssten zum Beispiel Fragen nach neuen Anforderungen an die Jugendarbeit, aber auch nach der wohnortnahen Versorgung („Supermärkte auf der grünen Wiese sind für Senioren, die im Stadtzentrum wohnen, oft unerreichbar") beantwortet werden.

 

Stadtplaner sind gefordert: So ist das gemeinschaftliche Wohnen im Alter längst für viele eine neue, sehr attraktive Lebensform. Eher selten geht es dabei um die klassische Wohngemeinschaft, in der man sich Küche und Bad teilt. Schon öfter ist damit ein Haus gemeint mit Mini-Appartements und gemeinsamer Küche und Wohnzimmer.

 

Das bevorzugte Modell aber ist die Hausgemeinschaft mit getrennten Wohnungen und zusätzlich einem Gemeinschaftsraum. Auch im Kreis Offenbach werden diese Wohnformen populärer. Immer mehr Menschen fragen sich: Wie will ich später mal wohnen, wenn ich die Treppen nicht mehr steigen kann, lange Fußwege zu beschwerlich sind? Wie kann ich Menschen finden, die mir bei Krankheit oder Behinderung helfen?

 

Und der Druck auf die Kommunen, sich auf die neuen Bedürfnisse einzustellen, wächst von Jahr zu Jahr. So steigt in der Region der Anteil Älterer kontinuierlich: 2020 werden laut Bevölkerungsprognose rund 22,2 Prozent der Menschen im Kreis Offenbach über 65 sein - ein Drittel mehr als in 2002. Hessenweit nimmt die Zahl der Drei- bis unter Sechsjährigen in den nächsten Jahrzehnten um ein Drittel ab, der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20 bis unter 60 Jahre) sinkt um ein Viertel. Bei den Sechzigjährigen und Älteren wird mit einem Zuwachs von 44 Prozent gerechnet, bei den Hochbetagten gar mit 185 Prozent.

 

Viele konkrete Projekte sind bereits umgesetzt und angeregt worden, zum Beispiel die Zukunftswerkstatt in Dreieich oder die „Zukunftswerkstatt Leben im dritten Jahrtausend". Kommunen haben jetzt bei der Veranstaltungsreihe neue Anregungen von Nachbarstädten aufgenommen. Vernetzung der Dienstleister für Ältere vor Ort, Verlässlichkeit der Angebote - das steht ganz oben auf der Arbeitsliste. Nach Angaben von Müller will die Stadt Langen vermehrt fachbereichsübergreifend arbeiten, die Ressorts tauschen sich aus, formulieren gemeinsame Zukunftsziele.

 

Für den Sozialdezernenten ist es wichtig, dass die politischen Vertreter die vielen neuen Anregungen nun in die Gremien ihrer Kommunen tragen. Entscheidend sei aber: „Die Bürgerschaft muss wesentlich mehr in Entscheidungen eingebunden werden, mit Hilfe örtlicher Initiativen. Es muss erforscht werden, wo die Bedürfnisse der Bürger liegen. Aktive Mitgestaltung ist gefragt, durch Vereine und den Einzelnen." Dabei will er auch verstärkt die Jugend einbeziehen: „Das lohnt sich. Denn bei den Angeboten für die Jüngeren gibt es immer noch große Lücken. Dabei darf nicht vergessen werden: Jede Generation braucht auch Rückzugsmöglichkeiten."